Die Phantagon-Story

Was bedeutet »Phantagon« und warum heißt die Agentur so?

Ein historisches Treffen und seine Folgen

Nomen est omen, sagten die alten Römer. Klingt ominös. Ist es aber nicht. Frei übersetzt bedeutet die lateinische Redensart: »Der Name ist Programm.« Bei Phantagon trifft das allemal zu. Was steckt hinter dem Namen Phantagon? Die Antwort darauf gibt eine wahre Geschichte.

Im Sommer 2005 kam es südlich von Rom in den Albaner Bergen zu einem historischen Treffen. Ich logierte bei meinem Agenten Roman Hocke, der mein literarisches Werk betreut. Dort, im malerischen Genzano di Roma, besuchte mich mein Lektor. Wir wollten über die gemeinsame Zukunft sprechen. Der Lektor schlug mir vor, meine Leserschaft zu vergrößern, indem ich meine Vielfalt verkleinere. In einer Buchbesprechung jener Tage las man über meinen vierbändigen Roman Der Kreis der Dämmerung, er sei »ein absolut erwachsenentauglicher, beeindruckender Fact-Fiction-Thriller-Drama-Fantasy-Mix«. Der Rezensent hatte offenbar dem vergnüglichen Unbehagen gefrönt, mich in keine Schublade einordnen zu können. Damit sollte nach Wunsch des Lektors nun Schluss sein.

Ich erteilte ihm eine Absage. Lieber verkaufte ich weniger Bücher, als dass ich mich selbst verkaufte. Nach einer schlaflosen Nacht erklärte ich meine Romane am 23. Juni 2005 kurzerhand zu Phantagonen – der Mond hatte mir diesen Namen wohl zugetragen. Ich sagte meinem Lektor: Wenn überhaupt, dann erfolge eine Einordnung meiner Romane erst bei der Lektüre – im Kopf des Lesers.

Erste Definition (2005)

Was genau sind diese Phantagone? Um diese Frage zu beantworten, muss man sich anschauen, wie sie entstehen und wie sie wirken. Am Anfang jedes Phantagon steht ein schöpferischer Akt. Der Kreative legt es vielschichtig an, damit es sich bei jedem, der es wahrnimmt, anders entfalten kann. Dennoch darf die »Botschaft« nicht verwässert werden. Ein Phantagon ist nie beliebig. Hierin gleicht es einem Traum. Zwei Personen mögen dasselbe Klavierkonzert hören, doch ganz unterschiedlich davon träumen. Hier kommt die Phantasie ins Spiel. Die eigene Vorstellungskraft macht das Phantagon zu einer subjektiven Erfahrung. Damit spricht es unmittelbar unsere Gefühle an und wird ein Teil von uns.

Der Begriff ist ein Neologismus. Für meine Wortschöpfung bemühte die Sprache der alten Hellenen: phantasía (φαντασία) bedeutet Erscheinung, Vorstellung, Traumgesicht oder Gespenst. Und gōnía (γωνία) ist das griechische Wort für den Winkel. Manch einer mag da vielleicht an ein Polygon denken. Und tatsächlich: Um das Phantagon anschaulich zu machen, wählte ich zunächst einen Vergleich aus der Mathematik:

Ein Phantagon ist ein Vieleck, dessen Anzahl von Seiten die Phantasie des Betrachters bestimmt.

Ich bin schon gespannt, ob mir je einer so etwas wird zeigen können. »Unmögliche Figuren« wie das Penrose-Dreieck kommen dem geometrischen Phantagon zumindest nahe. Auf die Schriftstellerei übertragen, lässt sich ein Phantagon wie folgt beschreiben:

Roman, in dem jeder Leser eine andere Mischung verschiedener literarischer Formen oder Gattungen (Genres) erblickt.

Von diesen Definitionen ausgehend, kann man den Begriff des Phantagons eigentlich auf jeden schöpferischen Bereich des Lebens anwenden: auf die Malerei, die Architektur, das Kochen – und auf die Entwicklung guter Texte. Damit sind wir schon bei der vorläufig letzten Sinnschattierung des Begriffes angelangt. Als ich im Herbst 2012 meine Agentur gründete, hieß sie zunächst TEXT3R.de. Doch ich fand, dass dieser Name nur unzureichend ausdrückt, was ich mit dem Unternehmen bezwecken wollte. Wieso?

Erweiterung der Bedeutung (2012)

Sprache verändert sich. Das ist immer so gewesen. Früher hat sie sich gewandelt, um den Gedankenaustausch zu beflügeln. Doch die turbulenten Veränderungen unserer Zeit scheinen heute eher das Gegenteil zu bewirken. Je schneller und oberflächlicher wir kommunizieren, desto stärker trocknet die Sprache aus. Darüber kann auch die Modesprache mit ihren vielen Worthülsen nicht hinwegtäuschen. Fachleute sagen, sprachliche Vielfalt rege unser Denken an. Was passiert dann im Kopf, wenn die Sprache verarmt? Nichts Gutes, fürchte ich.

Um der sprachlichen Unterernährung entgegenzuwirken, muss die Phantasie gefüttert werden, dachte ich mir. Was wäre dazu besser geeignet als Phantagone? So bekam die Agentur einen neuen Namen. Seit dem 1. Januar 2013 heißt sie Phantagon. Gleichzeitig erweiterte ich die Definitionen des Wortes um zwei Gesichtspunkte. Erstens kann etwas phantagon sein. Das Eigenschaftswort (Adjektiv) bedeutet:

Vielfältig in einem Maß, das nur durch die Phantasie des Wahrnehmenden begrenzt ist.

Und zweitens lässt sich der Begriff, bezogen auf eine Agentur für Textentwicklung, so definieren:

Ein Phantagon ist ein äußerst wandlungsfähiger Texter, der verschiedensten Leserkreisen aus dem Herzen spricht. Jede Gruppe nimmt ihn als einen der ihren wahr.

Zusammenfassung

Der Name Phantagon entstand aus einem künstlerischen Befreiungsschlag. Ich wollte mir die schöpferische Vielfalt bewahren und mich nicht in Schubladen zwängen lassen. Phantagone passen per definitionem nur in jene Kästen, die wir uns im eigenen Kopf zusammenzimmern. Sie stiften dazu an, unsere Welt ganzheitlich wahrzunehmen und sich nicht von Vordenkern gängeln zu lassen. Somit ist das Phantagon eine Verbeugung vor der Phantasie und dem Verstand des Mitmenschen. Mit ihrem nomen est omen formulierten alten Römer einen heute noch gültigen Leitsatz: Der Name ist Programm. Ich nenne meiner Agentur Phantagon, denn ich verstehe sie als Anwältin für den Reichtum der Sprache.

Ralf Isau
Februar 2013

Wer ist das eigentlich, dieser Ralf Isau? Ich verrate Ihnen, welcher rote Faden sich durch mein ganzes Leben zieht und wann mich zum ersten Mal die Muse geküsst hat. Interessiert? Dann lesen Sie hier ...

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Phantagon in phonetischer Schreibweise
Penrose-Dreieck

Wie zeichnet man, was nur für die Phantasie fassbar ist? »Unmögliche Figuren« wie das Penrose-Dreieck kommen der Idee des Phantagons schon recht nahe.

Phantagon – Eine Wortschöpfung setzt sich durch

Seit ich auf die Idee kam, meine facettenreichen Romane Phantagone zu nennen, breitet sich der Begriff aus. Die Presse hat mehrfach darüber geschrieben. Er steht an verschiedenen Stellen in der Wikipedia. Und er wird im Bücher-Wiki erklärt. Den Ritterschlag erhielt das Phantagon durch Sandra L. Beckett. Die kanadische Literaturprofessorin bespricht das Wort in ihrem Fachbuch Crossover Fiction – Global and Historical Perspectives (2008), ein wissenschaftliches Werk über All-Age-Literatur (siehe Google-Buchsuche).

Buch »Crossover Fiction« von Sandra L. Beckett

Crossover Fiction – Global and Historical Perspectives von Prof. Sandra L. Beckett: Das Phantagon findet Eingang in die wis­sen­schaft­li­che Welt.