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Dez 19. ’1619.00 Uhr

Stilgebote für guten Text: 
Die 10 Gebote für guten Stil

Von Ralf Isau
Teil 1/11

Schlechte Texte tragen eine wesentliche Mitschuld am miesen Ruf der Werbung. Obwohl sie ihre Leser in die Flucht schlagen, gibt es davon viel zu viele. Ja, das Internet quillt über vor schlechten Texten. Selbst teure Werbespots langweilen allzu oft, weil der Texter die elementaren Regeln für guten Text missachtet. Was ist Ihrer Meinung nach entscheidend für einen guten Text? Das Erzählen einer spannenden Geschichte, im Fachchinesisch Storytelling genannt? Oder ist es die überbordende Fantasie des Texters?

Storytelling und Fantasie geben einem Text die gewisse Würze, die Lesegourmets zu schätzen wissen. Doch aller Esprit nützt nichts, wenn der Verfasser die elementaren Stilregeln guter Texte missachtet. Mit den »10 Geboten für guten Stil« möchte ich Sie in die Geheimnisse der leichten Lesbarkeit einführen. Denn die kreativsten Ideen nützen nichts, wenn niemand sie lesen will. Weil die Sprache holprig ist, zu schwerfällig oder unverständlich. Weil Amtsdeutsch, Bandwurmsätze und vielsilbige Wortungetüme den Lesefluss hemmen. Oder weil unkonkrete Behauptungen und großspurige Superlative im Leser Argwohn wecken.

In diesem Beitrag geht es um das grundlegende Handwerk des Textens. Darüber gibt es ganze Bibliotheken von Fach- und Sachbüchern. An der Texterschmiede Hamburg können Sie zu den höheren Weihen des Textens vorstoßen. Hier wollen wir uns auf das Wesentliche beschränken. Schon das Beachten folgender zehn Grundregeln, kann die Qualität Ihres Textes dramatisch verbessern:

  1. Wisse, worüber du schreibst. Unkenntnis produziert Worthülsen.
  2. Schreibe, wie du sprichst. Schrift- und Amtsdeutsch will niemand lesen.
  3. Bleibe stets anschaulich und konkret. Je allgemeiner desto langweiliger.
  4. Fasse dich kurz: Maximal 14 Wörter pro Satz und 5 Silben pro Wort.
  5. Schreibe dynamisch. Wechsle kurze und längere Sätze ab.
  6. Meide den Passiv (deutsch: »Leideform«). Er ist unpräzise und raubt einem Text den Schwung.
  7. Benutze aktive, präzise Verben. Sie beflügeln einen Text.
  8. Meide die Hauptwörterei der substantivierten Verben und Adjektive! Sie blähen einen Text unnötig auf.
  9. Verwende nur wenige Adjektive. Ein treffendes Verb ist meistens besser.
  10. Meide Schachtelsätze. Je weniger Kommas desto besser.

Es lässt sich trefflich darüber streiten, welche Stilregeln die wichtigsten sind. Einige Kollegen wollen partout den Genitiv retten. Andere verteufeln mit Hingabe Wortwiederholungen. Wenn Sie indes die obigen Regeln konsequent umsetzen, sind Ihre Texte leichter lesbar und besser verdaulich. Das verspreche ich Ihnen. Und zugleich füge ich etwas Wichtiges hinzu:

Keine Regel ohne Ausnahme. Das gilt auch beim Texten. Manchmal liefert gerade der Bruch mit dem guten Stil den Aha-Effekt, der Ihre Leser aufmerken lässt. Wir erinnern uns vielleicht noch an den Slogan »Da werden Sie geholfen.« Er passte zu dem Blödchenimage der Dame, die den grammatikalischen Missgriff mit perfektem Timing intonierte.

Doch Vorsicht! Ausnahmen sollten Ausnahmen bleiben. Bei den meisten Lesern und Zuhörern wirkt leicht verständliches und korrektes Deutsch immer noch am besten.

Lassen Sie uns deshalb im Teil 2 dieser Artikelreihe das erste der »10 Gebote« etwas genauer beleuchten.

1. Stilgebot

Überblick